Elektroautos an der Haushaltssteckdose: Risiken und Empfehlungen
Kann man ein Elektroauto an einer gewöhnlichen 230-Volt-Haushaltssteckdose aufladen? Welche Sicherheitsvorkehrungen sind dabei zu beachten und welche Gefahren können entstehen? Obwohl in Deutschland über 200.000 öffentliche Ladepunkte und schätzungsweise 1,5 Millionen private Wallboxen zur Verfügung stehen, kann das Laden an einer Schutzkontaktsteckdose in Ausnahmefällen relevant sein. Wir fassen die wichtigen Aspekte zum Laden an der Steckdose zusammen.
Grundsätzlich ist das Laden eines Elektroautos an einer herkömmlichen Schutzkontaktsteckdose möglich, sofern die elektrische Leitung entsprechend abgesichert ist.
Bereits die Bezeichnung „Notladen“ alarmiert: So nennen Stromversorger und Automobilhersteller das Anschließen eines Elektroautos an eine Schutzkontaktsteckdose. Der Begriff signalisiert, dass dies nur im Notfall geschehen sollte, da es potenziell gefährlich sein kann.
Der typische Anwendungsfall ist, wenn ein Elektroauto auf einem Grundstück ohne Wallbox abgestellt wird, aber eine normale 230-Volt-Haushaltssteckdose verfügbar ist. Dann stellt sich die Frage nach der Ladeoption.
Im Grunde funktioniert das Aufladen eines Elektroautos an der Haushaltssteckdose ähnlich wie bei einem Smartphone: anschließen und der Vorgang startet.
Entscheidend ist, dass das Fahrzeug direkt an die Steckdose heranfahren kann und keine Verlängerungsschnur erforderlich ist. Dies stellt ein wichtiges Ausschlusskriterium dar: Das 230-Volt-Ladegerät für das Fahrzeug muss direkt und ohne zusätzliche Kabel mit dem Hausstromnetz verbunden werden. Den notwendigen Adapter liefern die Hersteller bei den meisten Fahrzeugen mit.
Ladedauer an der Haushaltssteckdose
Das Laden an einer normalen Haushaltssteckdose dauert zwischen sechs und 24 Stunden. Dabei können sowohl die Steckdose als auch die Wandleitung aufgrund der kontinuierlichen Belastung überhitzen. Die Ladezeit hängt von der geringen Ladeleistung von 2,3 kW ab und kann sich je nach Batteriekapazität des Fahrzeugs bis zu einem ganzen Tag hinziehen, beispielsweise bei einem 100-kWh-Akku.
Die folgende Rechnung verdeutlicht die Ladedauer: Ein Elektroauto-Akku mit 38 kWh Kapazität benötigt bei einer Ladeleistung von 2,3 kW mehr als 15
Warum das Haushaltsnetz gecheckt werden muss
Wer sein E-Auto an einer normalen Steckdose aufladen muss, muss darauf achten, dass die Dose mit einem 16-Ampere-Sicherungsautomaten abgesichert ist. Das ist im Haushalt normalerweise so, aber sicher ist sicher! Ein 16-Ampere-Sicherungsautomat bedeutet, dass an diesem Stromkreis Verbraucher mit einer maximalen Leistung von 16 Ampere mal 230 Volt (entspricht 3680 Watt) betrieben werden können.
Jede weniger leistungsfähige Steckdose ist mit einem Elektroauto überfordert und kann beim Laden überhitzen. Gerade in Außengebäuden wie Schuppen oder Garagen ist die Elektrik oft alt, verschlissen und wenig belastbar!
Öffentliches Laden ist auf die Dauer teuer – und nicht jeder hat eine Ladesäule in der Nachbarschaft.
Wie viel Strom geht beim Schuko-Laden verloren?
Schuko-Laden verschwendet Energie und damit Geld. Warum? Weil die Ladeverluste mit der Ladedauer steigen. Im September 2022 hat der ADAC in einem umfangreichen Test gemessen, wie ineffizient das Laden an einer Haushaltssteckdose ist. Bis zu einem Viertel der Energie, so zeigten die Messungen, kann beim Schuko-Laden verloren gehen.
Wer per Wallbox lädt, kann bei vielen Produkten die Prozedur per App aus der Ferne beobachten und steuern.
Wer per Wallbox lädt, kann bei vielen Produkten die Prozedur per App aus der Ferne beobachten und steuern.
Was sollte man beim Schuko-Laden beachten, um potenzielle Risiken zu minimieren?
Man sollte absolut sicher sein, dass die Haushaltssteckdose der Wahl geerdet ist. Das ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Aber eine zusätzliche Prüfung durch einen Elektriker oder wenigstens mit einem Steckdosentester aus dem Baumarkt schadet nicht. Denn wenn die Dose nicht geerdet ist, man z. B. im Sommer nach dem Rasensprengen barfuß auf nassem Untergrund steht und dann ein nicht isoliertes Teil der Karosserie vom E-Auto wie den Schließbügel der Heckklappe berührt, kann es zu einem Stromschlag kommen.
Die Sicherheitsbedenken der Experten (s. o.) sollte man generell nicht auf die leichte Schulter nehmen.
AUTO BILD hat beim testweisen Laden an der Schukosteckdose schon mal folgende Erfahrungen gemacht:
- Das angestöpselte E-Auto wollte rund 21 Stunden lang laden, obwohl es noch 52 Prozent Akkukapazität hatte.
- Der Ladevorgang wurde vom Auto nach 30 Minuten abgebrochen, die Steckdose in der Wand hatte sich erschreckend stark aufgeheizt. Ja, es handelte sich um eine relativ betagte Installation. Genau davor warnen Elektriker.
Was spricht für die Installation einer Wallbox?
Der beste Kompromiss zwischen Ladedauer, -komfort und Akkuschonung ist die Wallbox.
Sie sind speziell auf den hohen Strombedarf der Elektroautos ausgelegt.
Die kleine Stromtankstelle für daheim ist mit 11 und 22 kW Ladeleistung erhältlich. Beide Varianten laden einen mittelgroßen Akku in wenigen Stunden auf. Die Installation muss ein Profi übernehmen. Ansonsten gibt es Wallboxen in vielen Variationen und Preiskategorien.
